Irreführende Werbung mit Wildbienen

Öffentlichkeitsarbeit

Wenn die Zucht von zwei häufigen Wildbienenarten als Biodiversitätsförderung angepriesen wird, müssen wir eine Replik schreiben!

Wir berichteten bereits über die Fehlinformationen, dass Imker-Honigbienen ein Teil unserer Biodiversität sein sollen und wiesen darauf hin, dass zu viele Honigbienen für Wildbienen auf Grund der Nahrungskonkurrenz sogar ein Problem werden können! Mehr dazu hier 

Ein Artikel im Tagesanzeiger am 11. Mai 2019 hat uns dazu gedrängt ebenfalls eine Replik zu schreiben. Im Wirtschaftsteil war unter dem Titel „Er bringt die Wildbienen in die Stadt zurück“ ein Bericht über das Unternehmen Wildbiene + Partner zu lesen, welches das „BeeHome“ vertreibt.  

Das BeeHome ist eine Wildbienennisthilfe, welche bereits mit Wildbienenkokons bestückt ist. Zum richtigen Zeitpunkt geliefert, müssen es die Kunden nur noch aufhängen und – schon schlüpfen Mauerbienen, Osmia cornuta oder Osmia bicornis – die häufigsten Wildbienenarten in der Schweiz. Im Herbst werden die Nester zurückgeholt oder –geschickt mitsamt der Brut und im kommenden Frühling an Obstbauern weiterverkauft, als Bestäuberservice. 

In einem Online-Kommentar wurden bereits einige relevante Punkte erwähnt: 

Den stolzen Preis von 120 Franken für diese Wildbienenhäuschen BeeHome kann man sich sparen, indem man selber einen harten Holzklotz anbohrt oder Bambusröhrchen anbietet. Dann kommen diese häufigen und robusten Mauerbienen ganz von alleine, auch mitten in der Stadt, denn die gab und gibt es hier schon lange vor dem BeeHome-Business. Ihre Förderung durch BeeHome als Biodiversitätsförderung zu verkaufen ist ziemlich dreist. Gefördert wird lediglich der Irrglaube, damit etwas gegen das Artensterben zu tun. Und die Bauern, denen die so in Privatgärten gezüchteten Bienen verkauft werden, müssen sich weiterhin nicht bemühen, dass Bienen von alleine in ihre Plantagen kommen. 

An dieser Stelle soll nochmals etwas genauer erklärt werden, weshalb es ein Irrglaube ist, dass man mit einem BeeHome etwas zur Biodiversitätsförderung tut:

1) Es handelt sich um zwei der häufigsten Wildbienenarten in der Schweiz, welche sich primär in den BeeHome Röhrchen vermehren. Damit auch andere Wildbienenarten profitieren könnten, müssten verschiedene Röhrchendurchmesser angeboten werden. Andere Arten sind aber für das Unternehmen wirtschaftlich nicht interessant. Für den stolzen Preis von 480 CHF, kann man aber ein entsprechendes „BeeHome Diversity“ kaufen, welches neben den BeeHome-Zuchtelementen auch Holzstücke mit kleinerem Lochdurchmesser anbietet. Wichtig ist an dieser Stelle aber auch zu erwähnen, dass über die Hälfte der etwa 600 Wildbienenarten in der Schweiz im Boden nistet. Wenn man die Kuckucksbienen, welche bodennistende Wildbienen parasitieren, dazu zählt, sind es sogar fast 3/4 der einheimischen Wildbienen, welche auf Bodennistplätze angewiesen sind. Sie brauchen, offene Bodenstellen, Hangabrisse, lehmig-sandige Bodenstellen, Sandlinsen und so weiter. 

2) Wenn das BeeHome über den Winter zurückgeschickt wird, werden die Röhrchen „gereinigt“ und ein Grossteil der Puppen wird entnommen, um sie an Landwirte zur Bestäubung von Obstplantagen zu verkaufen.  
Das „gereinigte“ BeeHome wird dann mit einer neuen Startpopulation zurückgeschickt. Insgesamt werden dem Garten also Wildbienen entfernt. Dieser Vorgang wird von Wildbiene + Partner auf der Homepage transparent und ehrlich so dargestellt. Es handelt sich einfach nicht um eine Wildbienenförderung, sondern um eine Wildbienenzucht durch Private für das Unternehmen bzw. die Landwirte. 

3) Die Zucht der Mauerbienen findet an anderen Orten statt, als die Bestäubung der Obstplantagen. Es wird durch Wildbiene + Partner zwar darauf geachtet, dass die Mauerbienen nicht über zu grosse Distanzen herumgefahren werden. Es kann aber nicht verhindert werden, dass die Mauerbienen an einem anderen Ort zur Bestäubung eingesetzt werden, als sie vermehrt wurden. Da sich die von den Landwirten bestellten Mauerbienen dann mit den lokalen Mauerbienen vermischen, führt das zu einer genetischen Vereinheitlichung der Populationen. Dies könnte bei den lokalen Populationen zu einer „Outbreeding-Depression“ führen, also einem Verlust der (genetischen) Anpassung an die lokalen Gegebenenheiten. Ganz grundsätzlich sollte es kritisch gesehen werden, dass hier mit einem Wildtier Handel betrieben wird. 

4) Im gesamten Tagesanzeiger Artikel wird nicht einmal das für die Wildbienen dringend notwendige Blütenangebot erwähnt. Viel wichtiger als künstliche Nisthilfen ist nämlich ein möglichst grosses und diverses Blütenangebot. Davon profitieren alle Wildbienenarten und darüber hinaus Schmetterlinge, Schwebfliegen und weitere Insekten. Wildbiene + Partner verkauft zwar auch „BeeSnacks“, allerdings müsste zur eigentlichen Wildbienenförderung noch deutlich mehr auf die Bedeutung eines reichhaltigen Blütenangebots hingewiesen werden. 

5) Durch den Verkauf der Mauerbienen macht man es den Bauern (zu?) einfach. Anstatt, dass sie in der Umgebung von Obstkulturen Biodiversitätsförderflächen und Kleinstrukturen anlegen, um so selbst für eine hohe Dichte an Wildbienen zu sorgen, können sie sich die Mauerbienen bequem bestellen. 

Das Geschäftsmodell von Wildbiene + Partner ist clever und innovativ. Es handelt sich dabei aber nicht um Wildbienen- oder Biodiversitätsförderung, wie das im Tagesanzeiger-Artikel angepriesen wird. Einen sehr wertvollen Effekt haben die Aktivitäten und die Werbung des Unternehmens aber: Das Thema Wildbienen ist in aller Munde und viele Leute sind gewillt etwas zu deren Förderung zu tun. Entscheidend ist jetzt aber, dass klar wird, dass man nicht mit einem BeeHome die Wildbienen fördert, sondern mit einem naturnahen Garten, einer Blumenecke, Wildstauden auf dem Balkon und so weiter. 

Wenn Sie mehr über Wildbienen wissen wollen und erfahren möchten, wie und wo Sie diese beobachten und fördern können, sei Ihnen diese Homepage wärmstens empfohlen. Nehmen Sie sich Zeit und tauchen Sie ein in die wunderbare Welt der Wildbienen! 

Auf diesem Blog „Hotspot Naturgarten“ finden sie einiges über Wildbienen und deren Förderung aus einem Privatgarten in Zürich. 

Viel Vergnügen und Erfolg bei der richtigen Wildbienenförderung! 

Text: Christine Dobler Gross und Jonas Landolt

Einige Beispiele echter Wildbienenförderung

©Christine Dobler Gross 

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