Kaum gebaut – schon besiedelt

Projekt
Burghölzli

Rund um den neuen Gemüseacker der Genossenschaft Pura verdura sind einige Strukturen zur Förderung der Biodiversität entstanden. Ein Kurzflügel-Leuchtkäfer zeigt, dass solche bereichernden Elemente von der lokalen Tierwelt schnell entdeckt und genutzt werden können.

Im Zusammenhang mit der Übernahme des Ackers beim Gartenareal Lengg durch die Genossenschaft Pura Verdura sind verschiedene Strukturen angelegt worden, um die Biodiversität zu fördern. Auch der Verein Natur im Siedlungsraum (NimS) und die Sensengruppe sind in die Aufwertung besonders des Randbereichs des neuen Gemüseackers involviert – so wird das Wiesenbord fortan mit der Sense gemäht. Grün Stadt Zürich liess durch die Gartenbau- und Naturschutzfirma Grünwerk an der Enzenbühlstrasse ein Trockenmäuerchen errichten und die Randbereiche aufwerten. Das entsprechende Konzept wurde durch inatura.ch im Auftrag von Grün Stadt Zürich erstellt.

Kurze Zeit nach der Vollendung der Mauer krabbelte ein eigenartiges Insekt über das Mäuerchen: ein Männchen des Kurzflügel-Leuchtkäfers. Dieser Käfer fällt unter den vier mitteleuropäischen Leuchtkäferarten etwas aus dem Rahmen: Fressen die andern Leuchtkäfer Schnecken, so ernährt sich der Kurzflügler von Regenwürmern – und Licht wird nur gelegentlich von den Larven erzeugt, nicht aber von den ausgewachsenen Tieren. Denn Männchen und Weibchen finden sich beim Kurzflügel-Leuchtkäfer ohne Lichtsignale, sondern wie so viele Insekten mittels Duftstoffen, und zwar tagsüber. Dabei platziert sich der weibliche Kurzflügel-Leuchtkäfer gerne in einer Mauerritze, meist Ende Mai oder im Juni, und die angelockten Männchen, die über grosse Antennen verfügen, die der Geruchswahrnehmung dienen, kommen auf der Suche nach der Paarungspartnerin angekrochen.

Dass diese Art in der Gegend vorkommt, war bekannt: Schon vor vielen Jahren wurden in einem der angrenzenden Kleingärten von einem aufmerksamen Gärtner Kurzflügel-Leuchtkäfer beobachtet. Sehr erfreulich jedoch, dass frisch angelegte Strukturen so schnell angenommen und als Lebensraumelement genutzt werden – ein Hinweis darauf, wie sinnvoll auch kleinere Fördermassnahmen sein können.

Autor: Stefan Ineichen

Ein Kurzflügel-Leuchtkäfer (Phosphaenus hemipterus) Männchen.

© Urs Weibel

Möchtest du mehr über unsere Projekte erfahren? Melde dich beim Newsletter an.

Unsere neusten Artikel

Wo zu viel Fleiss schadet

Wo zu viel Fleiss schadet

Im Herbst begegnen wir in unsern Gärten den letzten Radnetzspinnen, die noch immer regelmässig ihre Netze flicken, um Beute zu machen. Die meisten haben aber bereits für Nachwuchs gesorgt und ihre Kokons in den Pflanzen versteckt. Ihnen droht nun Gefahr von uns GärtnerInnen!