Trittsteingarten

Aus Fehlern lernt man: Vom suboptimalen Start zum wertvollen Trittsteingarten.

Als ich vor ein paar Jahren ins Quartier umzog, wurde mir ganz unerwartet die Pacht eines grossen Gartens angeboten. Das völlig überwucherte Areal war lange nur sporadisch bewirtschaftet worden und hatte zuletzt gänzlich brachgelegen. Zufällig hatte ausgerechnet meine Vormieterin dieses Areal übernehmen wollen und als sie wegzog fiel es an mich. Und von jetzt auf gleich war das Stadtkind mit marginaler Balkonerfahrung die Pächterin eines 300 qm grossen völlig verwilderten Traumgartens, komplett mit Bäumen und Sträuchern und hoffnungslos zugewuchert von Brennnesseln und Fingerkraut.

Und so machte ich mich mit viel Elan und Hingabe daran, diesen Garten erst einmal in Ordnung zu bringen und dabei jeden erdenklichen Fehler zu begehen, den man sich denken konnte. Was zu tun war brachte mir mein Bekanntenkreis schnell bei. Die Brennnesseln mussten weg. Das herumliegende Holz musste natürlich beseitigt werden, die Büsche und Bäume akkurat beschnitten (bloss weg mit dem Totholz, das überträgt Krankheiten) und aufgrund der omnipräsenten Schnecken und des ausgedehnten Schattens war die Auswahl an Pflanzen mehr als eingeschränkt. Freunde schenkten mir ein paar Rhododendren, dazu kamen Lorbeerkirschen und zuletzt noch ein Schmetterlingsflieder. Der blüht so schön und ist robust.

Trittsteingarten im Umbau

Na gut, ich gebe zu, ich übertreibe hier ein wenig und führe mit wehenden Fahnen die dicksten Klischees ins Feld, die ich mir geleistet habe. Tatsächlich hat das zwar alles wirklich so stattgefunden, aber es war nie darauf beschränkt. Dennoch hatte ich mitunter eher das Gefühl gegen meinen Garten zu arbeiten als mit und in ihm. Und im nächsten Frühling und nach ausgiebiger Winter-Lektüre verschiedenster Bücher und Internetseiten zum Thema Naturnaher Garten fingen mein grünes Chaos und ich noch einmal von vorn an.

Ab jetzt werden Bäume und Sträucher nur noch da beschnitten, wo es notwendig ist. Die Vögel freuen sich darüber. Totholz ist als Lebensraum und als Baumaterial zum Kleinstrukturenbau immer mehr als willkommen, was nicht nur die Insekten, Blindschleichen und die schönen Weinbergschnecken glücklich macht, sondern auch noch wirklich hübsch anzuschauen ist. Neophyten werden entfernt – oder allenfalls gezähmt – und bei Neuanpflanzungen gibt es eine so unfassbar grosse Auswahl an schönen, wertvollen einheimischen (und sogar schneckenresistenten) Pflanzen, dass mir die Entscheidung jedes Mal schwerfällt. Und vor allem: Vor und nach jeder Neugestaltung, beobachte ich meinen Garten erst einmal. Immer bin ich gespannt, wie er mir auf meine Eingriffe antwortet. Was mag die nächste Veränderung mit sich bringen? Einfach nur jäten und Abwarten bescherte mir bereits einige schöne Überraschungen. Bachnelkenwurz und Schlüsselblumen kamen da zum Vorschein, ebenso wie Wegeriche, Ehrenpreis, Blutstorchschnabel, Akeleien und vieles mehr. Einige hartnäckige Rosen und Kräuter haben sich ebenfalls all die Jahre behauptet und bedanken sich für die neue Freiheit mit frischem Duft und feinen Blüten. Und die Brennnesseln bekommen nun ein eigenes, abgestecktes Gehege. «Na, hast du da ein Brennnessel-Beet angelegt?», witzelte denn auch neulich ein Bekannter bei einer kleinen Gartenführung. «Ja, habe ich», gab ich zur Antwort. «Mal schauen, was draus wird.»

Text: Jasmin Jansen
Fotos: Christine Dobler Gross

 

© Christine Dobler Gross

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