Wo zu viel Fleiss schadet

Gartenberatung

Im Herbst begegnen wir in unsern Gärten den letzten Radnetzspinnen, die noch immer regelmässig ihre Netze flicken, um Beute zu machen. Die meisten haben aber bereits für Nachwuchs gesorgt und ihre Kokons in den Pflanzen versteckt. Ihnen droht nun Gefahr von uns GärtnerInnen!

Für die Gartenkreuzspinnen und die Wespenspinnen, die seit Wochen ihre wunderschönen Radnetze unermüdlich reparieren und auf Beute warten, ist die Zeit bald um. Nach der Eiablage sterben sie.
Die Wespenspinne ist schon seit 3 Wochen verschwunden. Erwachsene Kreuz- und Wespenspinnen überleben die kalte Jahreszeit nicht. Für ihre Nachkommen ist aber gesorgt: für diese wird ein Kokon aus Spinnenseide gebaut. Dieser Kokon ist gut versteckt und findet sich meist dort, wo die Spinnen gelebt haben: inmitten von schützenden Schafgarben, Doldenblüten, Ziest, Odermennig, Wirbeldost.

Fotos: Christine Dobler Gross

Dieses Jahr konnte ich diesen Spinnen wieder an verschiedenen Orten in unserm Projektperimeter begegnen, im Gegensatz zu den letzten beiden Jahren: da waren sie einfach verschwunden! Das heisst: sie finden wieder mehr (Insekten-) Nahrung und Orte, wo ihre Nester ungestört blieben.
Die Grossen Radnetzspinnen sind im schweizerischen Mittelland in den letzten 40 Jahren in ihrer Häufigkeit drastisch zurückgegangen. Als Hauptgrund dafür gilt das sinkende Nahrungsangebot für diese insektenfressenden Tiere. Dies zeigt eine Studie von Forschern der Universitäten Basel und Gent, die in der Fachzeitschrift «Insects» erschienen ist.

Auch wir können ihr Überleben sichern! Im Herbst werden ritualmässig und unhinterfragt regelrechte Säuberungsaktionen in den Gärten und auch im öffentlichen Raum durchgeführt. Das Nachsehen haben meist all die kleinen Tiere, die als Larven, Eier, Puppen, oder fertiges Imago irgendwo versteckt sind und in diesem Säuberungswahn ums Leben kommen. Die Schutz bietenden Strukturen wie Asthaufen, Laub, Holzstapel, Pflanzenstengel, Grasbüschel, Fassadenbegrünungen usw. werden vielfach abgeräumt, zurückgeschnitten, entsorgt.
Wer das Jahr hindurch aufmerksam im Garten arbeitet oder die Blogbeiträge von NimS liest ;-), weiss um alle diese Lebensräume und kann dies beim «Einwintern» des Gartens berücksichtigen. Allein die Pflanzenstengel sind ein Universum für sich, siehe hier.

Kurzum: «das neue Normal= Wildheit im Garten, auf dem Balkon» sollte «das alte Bireweich= in die Natur verlagerter Pützeldrang» endlich ablösen!

 

 

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