Balkonien blüht auf

Trittsteingarten

Balkone besitzen ein grosses Potential Biodiversität zu fördern und erlebbar zu machen. Dabei ist nicht unbedingt die Grösse des Balkons oder die Anzahl Töpfe entscheidend, sondern die Auswahl der Pflanzen.

Noch immer ist der Wechselflor weit verbreitet: Im Frühling und Herbst wird die gesamte Bepflanzung, die vorwiegend aus exotischen und gezüchteten Zierpflanzen besteht, ausgetauscht. Beispiele sind Geranien, Fuchsien, Dipladenia oder Stiefmütterchen. Viele dieser Zierpflanzen können aber unsere einheimischen Insekten nicht als Nahrungspflanzen nutzen, da sie keinen Pollen oder Nektar produzieren oder diese für Insekten nicht zugänglich sind. Zudem fressen viele Schmetterlingsraupen nur auf wenigen, spezialisiserten Nahrungspflanzen.  So ist der ökologische Nutzen vieler Zierpflanzen für Wildbienen oder Schmetterlinge vergleichbar mit einer Plastikblume.

Wegwerfmentalität der Wechselflor: Hier eine noch blühende und überwinterbare Dipladenia © Marianne Klug

Doch was kann anstelle von Geranien ins Balkonkistli gepflanzt werden? NimS hat eine bunte Auswahl an Blumen zusammengestellt, welche Betrachter und summende Balkonbesucher gleichermassen erfreuen: 

Hier kann die Blumenauswahl als PDF heruntergeladen werden.

Die vorgeschlagenen Blumen sind vorwiegend einheimische Wildpflanzen und wertvolle Nahrungspflanzen für Wildbienen, Schmetterlinge und Co. Durch die gestaffelten Blütezeiten der Blumen finden Insekten von Frühling bis Herbst ein wertvolles Blütenangebot.  

Ein zusätzlicher Pluspunkt: Die vorgeschlagenen Blumen müssen nicht jedes Jahr neu gekauft und gesetzt werden. Die meisten dieser Blumen sind mehrjährig oder sorgen durch Versamen von selbst für die nächstjährige Blütenpracht. Kombiniert mit verschiedenen Nistmöglichkeiten kann jeder Balkon einen Beitrag zur Schaffung und Vernetzung urbaner Lebensräume beitragen!

Fabians blühender Balkon von März bis Juli © Fabian von Mentlen 

Nicht immer aber bleibt eine Blume dort wo man sie gesetzt hat oder blüht im einen Jahr üppiger als im Anderen. So hat sich auch auf dem Balkon ein Grundmass an Flexibilität bewährt.

Wer offen und neugierig wie Marianne Klug bleibt, wird zusätzlich belohnt: “Vor 30 Jahren hat sich bei mir von selbst eine Weide angesiedelt. Diese habe ich als Kopfweide geschnitten und sie erfreut mich und die Gehörnte Mauerbiene jeden Frühling wieder von Neuem!”

Die gehörnte Mauerbiene an der Kopfweide auf Mariannes Balkon © Marianne Klug

Dies soll aber nicht heissen, dass man alles wuchern lässt: “Insbesondere invasive Neophyten, wie das Einjährige Berufskraut, entferne ich gezielt. Auch Gräser und das Behaarte Franzosenkraut jäte ich von Zeit zu Zeit, damit sie nicht Überhand nehmen.” Das weiss Marianne aus jahrelanger Balkonerfahrung.

Ansonsten gilt es aber vor allem zu beobachten und zu geniessen. Die nachfolgenden Bilder und Beobachtungen stammen aus dem Erfahrungsschatz von Marianne Klug. Von fleissigen Wollbienen, einem unscheinbaren Lehmwespen-Nest oder der prächtigen Raupe des Schwalbenschwanzes. Das alles kann auf dem Balkon erlebt werden!

Eine Auswahl von Mariannes tierischen Balkonbesuchern © Marianne Klug

Mein bunt blühender und fleissig besuchter Balkon? Für mich, Lebensfreude pur.

Auch die wenig beachteten Blätter beeindrucken mit einer unscheinbaren Formenpracht © Fabian von Mentlen

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