Testlauf und Vision

Projekt
Burghölzli

Neue, lokale Sensengruppen sind am Entstehen in Zürich. Beispielsweise an der Kantonsschule Stadelhofen.

Sechs Uhr, ein Donnerstagmorgen im Juni, im Garten der Kantonsschule Stadelhofen (KST), gleich über dem Bahnhof Stadelhofen; Tobias Alther ist schon vor Ort, als ich mit zwei Sensen ankomme. Ich bin Deutschlehrerin, Tobias Biologielehrer.

Wir werden die flachere der zwei Hangwiesen unterhalb des Hauptgebäudes mähen. Der Testlauf für eine Sensengruppe an der KST. Ich habe im Voraus abzuschätzen versucht, wie viel Zeit das Mähen benötigt. Erst als ich die ersten Schwünge mit der Sense mache, weiss ich es – dafür schlagartig: Es benötigt einiges mehr Zeit, als ich mir vorgestellt hatte!

Wir geben Gas, denn bevor der Unterricht beginnt, so die Abmachung mit der Schulleitung, wollen wir fertig sein. Es ist schön, Tobias’ Sense durch das Gras gleiten zu hören, über uns Vogelgezwitscher, vom Bahnhof sporadisch Ansagen, eine Amsel schackert durchdringend; sie hat sich auf einem gemähten Wiesenteil niedergelassen und markiert Präsenz, offenkundig bewegen wir uns auf ihrem Territorium. Obwohl wir uns sputen und obwohl die Wiese noch nicht viel zu bieten hat, machen wir Entdeckungen: etwas Zivilisationskram, von Konservendosen bis zu einem voluminösen Plastik-Schiesswerk,

aber auch «Einheimisches»: wilde Erdbeeren, viele Weinbergschnecken, den Mittleren Weinschwärmer (Deilephila elpenor), die Fiederzwenke.

Dann ist die Wiese gemäht, das Gras in der Grünabfuhr-Mulde am Rand des Gartens deponiert, eine Grasinsel lassen wir stehen; für kleine Viecher, die sich darin vor unserer Mäh-Wut erholen können, und aus Neugierde, was sich in den kommenden Monaten in der ungemähten Grasfläche eventuell noch tut.

Mit der Sense wird das Wiesengras viel schonender gemäht als mit dem Fadenmäher. Auch kann das Schnittgut leichter entfernt werden, sodass der Boden mit der Zeit magerer werden dürfte; aber vor allem wird uns in der Zeit, in der wir gemeinsam vor Ort mähen, einiges einfallen, womit man die Artenvielfalt in der Wiese, aber auch in anderen Teilen des Gartens Schritt für Schritt fördern kann. Der Garten enthält schon viel Wertvolles, zuvorderst natürlich die prächtige Platane, aber er lässt bezüglich Biodiversität doch noch viel zu wünschen übrig. Die Gesangslehrerin Martina Fausch bringt diesen Zweck der Sensengruppe in einer Mail auf den Punkt: «Langzeitvision: ein Stadi-Naturgarten!»

Die Sensengruppe lässt sich auch als ein Mosaikstein des grösseren Ganzen auffassen, das Musiklehrer Fabian Auchter mit seinem Vorschlag einer Arbeitsgruppe “Nachhaltigkeit” anpeilt. Die «Sensengruppe KST» kann Schülerinnen und Schüler auf ein in mehreren Hinsichten umweltschonendes, schönes und zugleich leicht erlernbares Handwerk aufmerksam machen und ihnen vor Augen führen, dass die Sense auch im urbanen Raum eingesetzt werden kann. Die Zeit an der KST soll unserer Schülerschaft die Sense als zukünftige Option mit auf den Weg geben.

Text: Villö Huszai, Juli 2023, erstmals publiziert im Jahresbericht 2022/23 der Kantonsschule Stadelhofen.

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