Bienen und Blüten

Diversität, Kontinuität, Quantität

Diversität  

Je grösser die Pflanzendiversität, desto grösser die Wildbienenvielfalt

Der Artenreichtum der Wildbienen ist an die Vielfalt der Blütenpflanzen gekoppelt. Bienen und Blüten haben sich während Jahrtausenden unter gegenseitiger Beeinflussung entwickelt. In dieser Koevolution entstanden Spezialisierungen und Abhängigkeiten. So lassen sich Wildbienen hinsichtlich ihrer Blütenpräferenzen in fünf Gruppen einteilen:

  1. Hoch spezialisierte (streng oligolektische) Wildbienen: diese Bienen sind auf den Pollen einer einzigen Pflanzengattung angewiesen, ca. 8%.

  2. Spezialisierte (oligolektische) Wildbienen: diese Bienen sammeln Pollen auf einer einzigen Pflanzenfamilie oder haben eine starke Präferenz für den Pollen einer bestimmten Pflanzengattung bzw. -familie, ca. 27%.

     

  3. Unspezialisierte (polylektische) Wildbienen: diese Bienen haben keine ausgeprägten Vorlieben und besammeln mehrere Pflanzenfamilien, ca. 30%.

     

  4. Wildbienen mit bisher unbekannten Blütenpräferenzen, ca. 10%.

     

  5. Kuckucksbienen, welche selbst keinen Pollen sammeln, ca. 25%.

 

Um die Pollenbedürfnisse möglichst vieler Wildbienenarten abzudecken, gilt bei der Bepflanzung im Garten oder auf dem Balkon: je diverser, desto besser!

 

Kontinuität

Während der ganzen Vegetationszeit sollten Blüten vorhanden sein.

Aus den Spezialisierungen auf bestimmte Blütenpflanzen ergeben sich auch unterschiedliche Flug- und Fortpflanzungszeiten der einzelnen Wildbienenarten. Im Laufe der Evolution hat sich die Aktivität einzelner Wildbienenarten mit der Blütezeit ihrer Wirtspflanzen synchronisiert. Die gesamte Wildbienensaison dauert von März bis Oktober. Die Flugzeit einzelner Arten ist aber beispielsweise nur von März bis April oder im September und Oktober und entspricht der Blütezeit der benötigten Nahrungspflanzen. Weidenspezialisten fliegen sehr früh im Jahr, weil dann die Weiden blühen.

Früh fliegende Arten wie die Weiden-Sandbiene (Andrena vaga) sind auf blühende Weidenmännchen angewiesen, um ihren Nachwuchs zu versorgen.

Die meisten Wildbienenarten werden als solitär bezeichnet. Diese Arten bilden keine Völker und die einzelnen Weibchen versorgen ihre Brut im Alleingang. Die Zeit hierzu ist äusserst knapp, denn ihre Flug- und Fortpflanzungszeit beträgt lediglich drei bis sieben Wochen. Für eine erfolgreiche Fortpflanzung ist es deshalb von grosser Bedeutung, dass die Weibchen in der Umgebung der Nester die Pflanzen vorfinden, welche den benötigten Pollen für die Brutversorgung liefern. Hummeln und gewisse Furchenbienenarten bilden Staaten, welche dann während mehreren Monaten mit Nahrung versorgt werden müssen. 

Um möglichst viele Wildbienenarten zu fördern, sollte bei der Bepflanzung deshalb darauf geachtet werden, dass vom Frühjahr bis in den Spätherbst stets etwas blüht. 

Quantität

Je zahlreicher die Blüten, desto mehr Nachkommen können verpflegt werden.

Je nach Wildbienenart braucht es für die Versorgung einer einzigen Brutzelle und somit eines Nachkommens nicht selten den Pollen von mehreren hundert Blüten. Auch sind Wildbienen nur beschränkt mobil. Ihr Flugradius, also der Maximalabstand zwischen dem Nistplatz und den besammelten Pflanzen, beträgt bei den meisten Arten lediglich 300-1500 Meter. Je weiter die Weibchen fliegen müssen, um den benötigten Pollen zu finden, desto geringer ist die Zahl der Nachkommen. Neben der geringeren Menge an eingetragenem Pollen, steigt auch die Parasitierungsrate der Nester.

Ein üppiges Angebot an Beinwellblüten erfreut hier die Wildbienen.

Der Fortpflanzungs- bzw. Fördererfolg fällt umso erfreulicher aus, je üppiger das Blütenangebot, welches die Weibchen in der Nähe ihrer Nester vorfinden.

Die richtige Pflanzenwahl

Bei der Pflanzenwahl ist es besonders wertvoll, sich an den Ansprüchen spezialisierter Wildbienenarten zu orientieren. Diese Arten sind durch ihre Abhängigkeiten in einem besonderen Masse gefährdet, können jedoch genau dank dieser gezielt gefördert werden. Wo die benötigten Pflanzenarten einer spezialisierten Wildbiene nicht vorkommen, wird auch die Bienenart nicht anzutreffen sein. 

Die nachfolgend aufgelisteten Pflanzenfamilien und -gattungen decken insbesondere die Bedürfnisse spezialisierter Wildbienenarten ab. Gleichzeitig dienen sie jedoch auch nicht spezialisierten Wildbienen und zahlreichen weiteren Bestäubern als wichtige Nahrungsquellen. 

Korbblütler (Asteraceae)

Wichtige Vertreter: Wiesen-Flockenblumen (Centaurea jacea), Skabiosen-Flockenblume (Centaurea scabiosa), Gemeine Wegwarte (Cichorium intybus), Gewöhnliche Kratzdistel (Cirsium vulgare), Rainfarn (Tanacetum vulgare), Färberkamille (Anthemis tinctoria)

Spezialisierte Wildbienenarten (Auswahl): Rainfarn-Seidenbiene (Colletes similis), Rainfarn-Maskenbiene (Hylaeus nigritus), Buckel-Seidenbiene (Colletes daviesanus), Fuchsrote Sandbiene (Andrena fulvago), Gewöhnliche Dörnchensandbiene (Andrena humilis), Gelbbindige Furchenbiene (Halictus scabiosae), Distel-Mauerbiene (Osmia leaiana), Gewöhnliche Löcherbiene (Heriades truncorum)

Schmetterlingsblütler (Fabaceae)

Wichtige Vertreter: Gewöhnlicher Hornklee (Lotus corniculatus), Saat-Luzerne (Medicago sativa), Saat-Esparsette (Onobrychis vicifolia), Frühlingsplatterbse (Lathyrus vernus), verschiedene Wicken und Platterbstenarten (Vicia und Lathyrus) 

Spezialisierte Wildbienenarten (Auswahl) und mit Vorliebe für Schmetterlingsblütler:
Ovale Kleesandbiene (Andrena ovatula), Kleine Harzbiene (Anthidiellum strigatum), Veränderliche Hummel (Bombus humilis), Schwarzspornige Stengel-Mauerbiene (Hoplitis leucomelana), Platterbsen-Mörtelbiene (Megachile ericetorum), Schwarzbäuchige Blattschneiderbiene (Megachile nigriventris), Filzzahn-Blattschneiderbiene (Megachile pilidens), Goldene Schneckenhaus-Mauerbiene (Osmia aurulenta), Stahlblaue Mauerbiene (Osmia caerulescens), Mai-Langhornbiene (Eucera nigrescens), Platterbsen-Sandbiene (Andrena lathyri)

Kreuzblütler (Brassicaceae)

Raps (Brassica napus), Acker-Senf (Sinapis arvensis), Wiesen-Schaumkraut (Cardamine pratensis) 

Spezialisierte Wildbienenarten (Auswahl): Schöterich-Mauerbiene (Osmia brevicornis), Zweizellige Sandbiene (Andrena lagopus)

Lippenblütler (Lamiaceae)

Wichtige Vertreter: Heilziest (Stachys officinalis), Aufrechter Ziest (Stachys recta), Salbeiarten (Salvia sp.), Waldziest (Stachys sylvatica), Kräuter der mediterranen Küche

Spezialisierte Wildbienenarten (Auswahl) und Arten mit einer Vorliebe:  Wald-Pelzbiene (Anthophora furcata), Veränderliche Hummel (Bombus humilis), Goldene Schneckenhaus-Mauerbiene (Osmia aurulenta), Garten-Wollbiene (Anthidium manicatum)

Weitere Familien: Doldenblütler (Apicaceae), Rosengewächse (Rosaceae), Kardengewächse (Dipsacaceae)

Wichtige Vertreter: Wilde Möhre (Daucus carota), Kirschen (Prunus avium), Schwarzdorn (Prunus spinosa), Weissdorn (Crataegus sp.), Karde (Dipsacus fullonum), Tauben-Skabiose (Scabiosa columbaria), Acker-Witwenblume (Knautia arvensis)

Spezialisierte Wildbienenarten (Auswahl) und Arten mit einer Vorliebe:
Doldenblütler: Maskenbienen (Hylaeus sp.)
Rosengewächse: Weissdorn-Sandbiene (Andrena bucephala)
Kardengewächse: Knautien-Sandbiene (Andrena hattorfiana)

Glockenblumen (Campanula)

Spezialisierte Wildbienenarten (Auswahl):  Kleine Glockenblumen-Scherenbiene (Chelostoma campanularum), Grosse Glockenblumen-Scherenbiene (Chelostoma rapunculi)

Weiden (Salix)

Spezialisierte Wildbienenarten (Auswahl) und Arten mit einer Vorliebe:  Weiden-Sandbiene (Andrena vaga), Frühlings-Seidenbiene (Colletes cunicularius), Rotbauch-Sandbiene (Andrena ventralis), Frühe Sandbiene (Andrena praecox

Natternkopf (Echium)

Spezialisierte Wildbienenarten (Auswahl):  Natternkopf-Mauerbiene (Hoplitis adunca)

Weitere wichtige Gattungen

Lauch (Allium), Reseden (Reseda), Gilbweiderich (Lysimachia), Ehrenpreis (Veronica), Beinwell (Symphytum), Hahnenfuss (Ranunculus), Blutweiderich (Lythrum), Zaunrüben (Bryonia)

Spezialisierte Wildbienenarten (Auswahl):  Lauch-Maksenbiene (Hylaeus punctulatissimus), Reseden-Maskenbiene (Hylaeus signatus), Gilbweiderich-Schenkelbiene (Macropis fulvipes), Ehrenpreis-Sandbiene (Andrena viridescens), Rote Ehrenpreis-Sandbiene (Andrena labiata), Hahnenfuss-Scherenbiene (Chelostoma florisomne), Blutweiderich-Sägehornbiene (Melitta nigricans), Zaunrüben-Sandbiene (Andrena florea)

Weiterführende Links:

Massgeschneiderte Pflanzenempfehlungen findet man unter futureplanter.ch und floretia.chAuf floretia.ch erhält man zudem eine Liste mit verschiedenen Bezugsmöglichkeiten der Wildpflanzen.

Ausführliche Informationen zum Nahrungsangebot findet man auf der Seite von Paul Westrich.

Listen zu wildbienenförderlichen Pflanzen gibt es bei wildbee.ch 

Literatur:

Westrich, P. (2011). Wildbienen – Die anderen Bienen. Verlag Dr. Friedrich Pfeil.

Westrich, P. (2018). Die Wildbienen Deutschlands. Verlag Eugen Ulmer.

Zurbuchen, A., & Müller, A. (2012). Wildbienenschutz-von der Wissenschaft zur Praxis (Vol. 33). Haupt Verlag AG.

Impressum

Texte: Kiki Velychko
Mitarbeit: Philipp Heller, Jonas Landolt, Christine Dobler Gross
Fotos: Christine Dobler Gross

 

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