Seltene Wildbienen

Fördermöglichkeiten im Garten

Vor allem die seltenen und gefährdeten Arten brauchen Unterstützung!  

Mit einem Fokus auf diese Arten wird deine Wildbienen-Förderung noch wirkungsvoller

Seltene und gefährdete Arten, die auf der Roten Liste stehen oder als «potenziell gefährdet» eingestuft werden, können oft nicht ausreichend mit einer «generalistischen» Biodiversitätsförderung unterstützt werden. Sie haben spezifische Ansprüche an ihre Reproduktionsorte und/oder an ihre Nahrung. Um zu verhindern, dass die seltenen und gefährdeten Arten im Rahmen unserer Biodiversitätsförder- und pflegemassnahmen «zu kurz» kommen, haben wir mit der Unterstützung der Liliane Hirzel Atzli Stiftung ein neues Förderprojekt gestartet. Wir konzentrieren uns dabei im Rahmen dieses Projektes auf Igel und Wildbienen.

Wildbienen besitzen hohe Lebensraumansprüche und sind auf blüten- und kleinstrukturreiche Lebensräume und Landschaften angewiesen (Zurbuchen & Müller 2012). Diese Eigenschaften sowie der hohe Artenreichtum und die oftmals stark spezialisierten und je nach Art ganz unterschiedlichen Ansprüche an Nahrungspflanzen und Nistplätze machen sie zu ausgezeichneten Indikatoren für den naturschützerischen Wert (halb-)offener Landschaften. Im Vergleich zu vielen anderen Artengruppen eignen sich Wildbienen auch in besonderem Mass als Zeigerorganismen im Siedlungsgebiet, da sie in kleinräumig strukturierten Lebensräumen wie dem bebauten Raum in hohen Artenzahlen vorkommen können, falls ihre Ressourcenansprüche erfüllt sind (Zurbuchen & Müller 2012). Zudem profitieren von einer guten Wildbienenförderung auch viele weitere Artengruppen.

Um den Burghölzlihügel kommen gut 10 Wildbienenarten vor, die auf der Rote Liste stehen, als “potenziell gefährdet” eingestuft sind oder einen hohen Artwert (weitere Infos zum Artwert) besitzen. Diese sind in der nachfolgenden Tabelle zusammengestellt und jeweils mit dem Profil auf infofauna verlinkt. Dort erfährt man mehr zu ihrer Bestimmung und Biologie. Nachfolgend soll der Fokus auf den Massnahmen liegen. Die Artenliste bezieht sich zwar auf den NimS-Perimeter. Eine Förderung dieser Arten macht aber auf dem ganzen Gebiet der Stadt Zürich und sogar im ganzen Kanton Zürich Sinn. Auch wenn diese Zielarten selbst nicht vorhanden sind, profitieren viele weitere Arten.

Ausserhalb der Stadt Zürich bietet der Bee-Finder eine tolle Möglichkeit zu erfahren, welche seltenen und gefährdeten Arten um den eigenen Wohnort oder das Projektgebiet vorhanden sind. Nutzt diese tolle Seite, um auch bei euch die seltenen und gefährdeten Arten zu fördern!

     

    Tabelle: Zielarten der Wildbienenförderung von NimS. Wenn man auf den deutschen Namen klickt, gelangt man auf die Seite von Infofauna mit einem Portrait der entsprechenden Art. RL = Rote Liste Status (2024) EN = “stark gefährdet”, VU = “gefährdet”, NT = “potenziell gefährdet”, LC = “ungefährdet”, Informationen zum Artwert.

    Art deutsch Art wiss. RL Artwert
    Senf-Blauschillersandbiene Andrena agilissima EN 8
    Zweizellige Sandbiene Andrena lagopus LC 6
    Zaunrüben-Sandbiene Andrena florea NT 5
    Rothaarige Kleesandbiene Andrena russula VU 5
    Buckel-Seidenbiene Colletes daviesanus NT 0
    Dreizahn-Stängelbiene Hoplitis tridentata VU 10
    Lauch-Maskenbiene Hylaeus punctulatissimus VU 3
    Schmalkopf-Maskenbiene Hylaeus leptocephalus LC 6
    Blutweiderich-Sägehornbiene Melitta nigricans NT 3
    Schöterich-Mauerbiene Osmia brevicornis VU 5
    Kleine Holzbiene  Xylocopa iris VU NA 

    Dicke Markstängel

    Profitierende seltene und gefährdete Arten: Dreizahn-Stängelbiene (Hoplitis tridentata), Kleine Holzbiene (Xylocopa iris)

    In unserer Landschaft sind Markstängel, die über mehrere Jahre stehen bleiben, eine rare Ressource. Dem entsprechend selten sind Wildbienenarten, die darauf angewiesen sind. Viele Personen lassen die Stängel von Königskerzen, Karden und weiteren Arten zwar über den Winter stehen, spätenstens im März werden sie dann aber doch abgeräumt. Von den meisten Wildbienen wurden sie bis dann noch nicht einmal besiedelt. Eine Ausnahme bildet die Stängel-Blattschneiderbiene (Megachile gen(i)alis). Sie erstellt ihre Nester primär in grünen Karden (Dipsacus sp.). Aber auch für diese Art müsste der besiedelte Stängel bis im Sommer stehen bleiben. Die anderen Wildbienenarten besiedeln die Stängel erst, wenn sie im 2. Jahr braun und tot sind. Die nächste Generation erscheint dann im 3. Standjahr des Stängels. Bis dann muss also der Stängel stehen bleiben.
    Das muss nicht zwingend am Ort sein, an dem die Königskerze, Sonnenblume oder Karde gewachsen ist. Man kann den Stängel auch bodennah abschneiden und an einem anderen Ort in den Boden stecken. Wenn der Stängel bereits ein Jahr lang tot herumstand, kann er auch mit anderen Stängeln gebündelt aufgestellt werden. Er wird dann zwar eher nicht mehr besiedelt, die diese Arten vermutlich frei stehende Stängel bevorzugen, falls der Stängel aber bereits besiedelt war, kann die nächste Generation noch ausfliegen. Die Stängel horizental auf einen Haufen zu legen ist immer noch besser als sie zu entsorgen. Auf Grund der anderen mikroklimatischen Verhältnisse (feuchter, als ein vertikal stehender Stängel) besteht dort aber die Gefahr, dass die Larven und Puppen eher sterben.

    Grossblütige Kreuzblütler (Brassicaceae) pflanzen

    Profitierende seltene oder gefährdete Arten: Senf-Blauschillersandbiene (Andrena agilissima), Zweizellige Sandbiene (Andrena lagopus), Schöterich Mauerbiene (Osmia brevicornis)

    Besonders wertvoll sind Ansaaten mit Gelb- oder Ackersenf. Diese Ansaaten können in einem Blumentopf oder im (Gemüse-)beet erfolgen. Weitere Infos zum Senf.

    Auch andere grossblütige Kreuzblütler wie Mond- (Lunaria rediviva) und Nachtviole (Hesperis matronalis) oder Goldlack (Erysimum cheiri) können im Garten genutzt werden.

    Sommerblühende Körbchenblütler (Asteraceae) pflanzen

    Profitierende seltene oder gefährdete Arten: Buckel-Seidenbiene (Colletes daviesanus)

    Hier möchten wir insbesondere Arten wie den Rainfarn (Tanacetum vulgare) und die Färber-Hundskamille (Anthemis tinctoria) empfehlen, die im Hochsommer blühen.


    Weitere spezialisierte Wildbienenarten (Auswahl): Rainfarn-Seidenbiene (Colletes similis), Rainfarn-Maskenbiene (Hylaeus nigritus), Buckel-Seidenbiene (Colletes daviesanus), Fuchsrote Sandbiene (Andrena fulvago), Gewöhnliche Dörnchensandbiene (Andrena humilis), Gelbbindige Furchenbiene (Halictus scabiosae), Distel-Mauerbiene (Osmia leaiana), Gewöhnliche Löcherbiene (Heriades truncorum)

    Hornklee und allgemein Schmetterlingsblütler (Fabaceae)

    Seltene oder gefährdete Wildbienenarten: Rothaarige Kleesandbiene (Andrena russula), Dreizahn-Stängelbiene (Hoplitis tridentata)

    Hornklee (Lotus corniculatus) gehört zu den wertvollsten Wildbienen-Pflanzen überhaupt. Er kann sowohl in einer Ruderalfläche als auch in einer Wiese wachsen. In der Wiese profitiert er oft von einem freuen Schnitt im April der die Konkurrenz durch das Gras verringert.

    Weitere spezialisierte Wildbienenarten (Auswahl) und mit Vorliebe für Schmetterlingsblütler:
    Ovale Kleesandbiene (Andrena ovatula), Kleine Harzbiene (Anthidiellum strigatum), Veränderliche Hummel (Bombus humilis), Schwarzspornige Stengel-Mauerbiene (Hoplitis leucomelana), Platterbsen-Mörtelbiene (Megachile ericetorum), Schwarzbäuchige Blattschneiderbiene (Megachile nigriventris), Filzzahn-Blattschneiderbiene (Megachile pilidens), Goldene Schneckenhaus-Mauerbiene (Osmia aurulenta), Stahlblaue Mauerbiene (Osmia caerulescens), Mai-Langhornbiene (Eucera nigrescens), Platterbsen-Sandbiene (Andrena lathyri)

    Lauch (Allium)

    Seltene oder gefährdete Art: Lauch-Maskenbiene (Hylaeus punctulatissimus)

    Die Lauch-Art spielt dieser Wildbiene keine grosse Rolle. Wichtig ist, dass der Lauch im Sommer blüht, Schnittlauch funktioniert deshalb nicht. Es profitieren viele weitere Insekten ebenfalls vom blühenden Lauch. Auch Zierlauch funktioniert gut. Im Gemüsegarten kann man einfach Gemüselauch, Zwiebeln oder Knoblauch nicht vollständig ernten und blühen lassen, schon sorgt man für Nahrung für die Lauch-Maskenbiene.

    Zaunrübe (Bryonia dioica)

    Seltene oder gefährdete Art: Zaunrüben-Sandbiene (Andrena florea)



    Für die Zaunrüben-Sandbiene wurde im Kanton Zürich ein Aktionsplan erstellt. Darin werden die Fördermöglichkeit folgendermassen beschrieben:

    • Anpflanzung der Zaunrüben im Herbst als zweijährige Rüben am Grunde von aufragen den Strukturen (Büsche, Stämme, grosse Steine, Asthaufen, Wurzelstöcke, Zäune) an gut besonnten und nicht zu nährstoffarmen Stellen; neben der Anpflanzung von mehrheitlich männlichen Pflanzen an einem Standort sollten stets auch einzelne weiblichen Pflanzen ausgebracht werden, um eine natürliche Ausbreitung durch beerenfressende Vögel sicherzustellen.
    • Säuberung der Pflanzstellen in den beiden Folgejahren im frühen Frühling von Pflanzen (v.a. Galium aparine, Urtica dioica), welche die frisch ausgetriebenen Zaunrüben überwuchern können; nach Etablierung der Zaunrüben ist keine Bekämpfung von Lichtkonkurrenten mehr nötig, da die erstarkten Pflanzen im Frühjahr sehr rasch in die Höhe treiben.
    • Mahd der Anpflanzstellen entlang von Gebüschgruppen, Hecken oder Waldrändern regelmässig alle ein bis zwei Jahre frühestens ab Anfang September nach der Blütezeit bzw. Beerenreife; da die Zaunrüben im Spätsommer und Herbst oberflächlich absterben, schadet eine späte Mahd nicht; bleibt eine regelmässige Mahd aus, verdrängen die vorwachsenden Sträucher und Bäume die lichtliebende Art.

    Blutweiderich (Lythrum salicaria)

    Seltene oder gefährdete Art: Blutweiderich-Sägehornbiene (Melitta nigricans)

    Neben der spezialisierten Blutweiderich-Sägehornbiene profitieren viele weitere Wildbienen-Arten vom Blutweiderich. Er kann sowohl an feuchteren Stellen zum Beispiel am Teichrand als auch in normalem humosem Boden gepflanzt werden, sofern genügend Wasser vorhanden ist.

    Honigklee (Melilotus)

    Seltene oder gefährdete Art: Schmalkopf-Maskenbiene (Hylaeus leptocephalus)

    Honigklee ist ein wertvoller sommerblühender Schmetterlingsblütler. Neben der Schmalkopf-Maseknbiene wird er von über 20 weiteren Wildbienen-Arten besucht, darunter auch auf Schmetterlingsblütler spezialisierte Arten.

    Der Honigklee ist eine typische Art von kiesigen, ruderalen Standorten und gedeiht zum Beispiel auf Wandkies.

    Impressum

    Texte: Jonas Landolt
    Fotos: Christine Dobler Gross, Jonas Landolt, Lorenz Achtnich, Philipp Heller

     

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