Faulbaum
Unscheinbar,
aber nicht unnütz

Pflanzenportrait

Übersehener Strauch feuchter Standorte

Der Faulbaum (Frangula alnus) gehört nicht gerade zu den auffälligen Vertretern der heimischen Gehölze. Und sein Name ist seiner Attraktivität auch nicht besonders zuträglich. Schaut man aber genauer hin, erkennt man durchaus auch seine Vorzüge.

In der Natur begegnet man dem Strauch hauptsächlich in feuchten Lebensräumen, wie z.B. in Mooren und Auwäldern oder am Rand von Riedwiesen. Er wird etwa 3m hoch und ist gut erkennbar an den ganzrandigen, eiförmigen Blättern mit Glanz auf der Oberseite. Eigen sind ihm auch die weissen Tüpfchen auf der dunklen Rinde der Zweige. Schabt man die Rinde ab, verströmt sie einen unangenehmen Geruch, auf den sich auch der deutsche Name bezieht.

Die Blüten sind eher unscheinbare grünlichweisse Sternchen, die laut Pflanzenbüchern im Mai und Juni erscheinen. In Wirklichkeit öffnen sich aber noch bis in den September weitere Blüten. Die lange Blütezeit und der Nektarreichtum machen sie für viele Insekten interessant, so dass der Faulbaum den Sommer über immer gut umsummt ist.

Blühender Faulbaum. Foto: Christine Dobler Gross

Auf die Blüten folgen erbsengrosse Beeren, die sich während der Reifung zuerst rot und dann schwarz färben. Dank der ausgedehnten Blütezeit findet man Früchte in verschiedenen Reifegraden am gleichen Strauch. Die Beeren sind für uns Menschen giftig, dienen aber Drosseln und anderen Vögeln als Nahrung. Diese verbreiten die in den Früchten enthaltenen Samen in der Landschaft.

Fruchtender Faulbaum. Foto: Albert Krebs

Arznei, Färbemittel und Schiesspulver

Für den Menschen haben die Beeren zwar keine Bedeutung, er nutzte den Faulbaum aber auf andere Weise. Die Rinde kam in der Pharmazie zur Anwendung, sie wurde getrocknet und nach mindestens einjähriger Lagerzeit als Abführmittel verabreicht. Aber nur wenn sie von oben nach unten geschält wurde. Löste man die Rinde in entgegengesetzter Richtung vom Ast, soll sie Erbrechen verursacht haben.

Die Rinde wurde auch zum Färben von Wolle, Baumwolle und Seide verwendet und ergab schöne Rotbraunschattierungen. Auch mit den Beeren wurde gefärbt, diese sorgten für Blau- und Grüntöne.

Das Holz ergibt eine qualitativ hochstehende, aschenarme Kohle, die mit Salpeter und Schwefel vermischt zu Schiesspulver verarbeitet wurde. Deshalb wird der Faulbaum manchmal auch heute noch Pulverholz genannt.

Zitronenfalter-Männchen beim Blütenbesuch an einer Kratzdistel. Foto: Albert Krebs

Wichtiges Raupenfutter

Eine besondere Bedeutung hat der Faulbaum für den Zitronenfalter (Gonepteryx rhamni). Dieser auffällige Schmetterling, dessen Weibchen fahlgrün und die Männchen leuchtendgelb gefärbt sind, legt seine Eier nämlich nur an ihn und den Purgier-Kreuzdorn (Rhamnus cathartica) und wenige andere Kreuzdornarten.

Zwei Eier des Zitronenfalters. Foto: Christine Dobler Gross
Der Zitronenfalter gehört zu den allerersten Schmetterlingen, denen man im Frühjahr begegnen kann. Er überwintert im Gegensatz zu den meisten anderen Schmetterlingen im ausgewachsenen Stadium, meistens in der Vegetation versteckt. Ein Frostschutzmittel in seiner Körperflüssigkeit verhindert ein Durchfrieren, so werden sogar Temperaturen von -20 Grad überstanden. Milde Frühlingstage wecken den Zitronenfalter aus seiner Winterstarre und lassen ihn auf der Suche nach Frühblühern durch die Gegend gaukeln. Im April werden die länglichen, gerippten Eier meist einzeln an Knospen, später auch Blätter von Faulbaum und Kreuzdorn gelegt. Im Mai kann man diese Sträucher nach den gut getarnten grünen Raupen absuchen, die sich meistens auf der Mittelrippe eines Blattes positionieren.
Drei kleine Räupchen des Zitronenfalters. Foto: Christine Dobler Gross
Raupe des Zitronenfalters. Foto: Christine Dobler Gross

Je nach Witterung und Nahrungsangebot verpuppen sich die Raupen nach 3 bis 7 Wochen. Dazu kriechen sie oft in höhere Regionen des Strauchs und befestigen sich dort mit dem Hinterleibsende und einem Gürtel aus Seidenfäden an einen Zweig und häuten sich ein letztes Mal, um als grüne Puppe den nächsten Lebensabschnitt anzutreten.

Puppe des Zitronenfalters. Foto: Albert Krebs

Bereits im Hochsommer schlüpfen dann die ausgewachsenen Falter und besuchen verschiedene Blüten. Wird die Sommerhitze zu gross, legen sie an einem schattigen Plätzchen eine Flugpause ein und warten auf angenehmere Temperaturen im Frühherbst. Vor dem Wintereinbruch suchen sie sich ein geschütztes Quartier, z.B. in Brombeer- oder Efeudickicht. Hier harren sie aus bis zum nächsten Frühling, um sich zu verpaaren und Eier zu legen. Danach sterben die Falter und der Kreislauf beginnt mit einer neuen Generation wieder von vorne.

Der Zitronenfalter ist übrigens unser langlebigster Schmetterling, können die ausgwachsenen Tiere doch 11 bis 12 Monate alt werden. Keine schlechte Leistung für so ein zartes Geschöpf!

In der Vegetation verstecktes Zitronenfalter-Weibchen. Foto: Albert Krebs

Tipps zur Gartenkultur

Entgegen seiner Vorlieben in freier Wildbahn, lässt sich der Faulbaum im Garten gut auch in weniger feuchtem Boden kultivieren. Er gedeiht sowohl in voller Sonne als auch im Schatten. Am besten pflanzt man ihn in Gesellschaft mir weiteren Sträuchern, er lässt sich auch gut in eine Wildhecke integrieren. Beste Pflanzzeit für Gehölze ist der Herbst und frostfreie Winterphasen. Wird der Faulbaum zu gross, kann er beliebig zurückgeschnitten werden.

Faulbaum in Herbstfärbung. Foto: Albert Krebs

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