Wie alles begann

Trittsteingarten

Wie ich – fast zufällig – auf das geheime Leben der Insekten aufmerksam wurde.

Was ist der Funke, der den Wunsch nach einem Trittsteingarten weckt? Der eine Gärtnerin dazu veranlasst, für das eigene kleine Reich eine Einladung an die Natur auszusprechen? Die inspirierenden Führungen des Vereins Natur im Siedlungsraum NimS haben mich auf den wertvollen Zauber der Insekten aufmerksam gemacht. Mit der Begegnung der geheimnisvollen Leuchtkäfer ging mir buchstäblich ein Licht auf. Ich wollte mehr über diese faszinierende Welt erfahren. In den folgenden Wochen begann ich, bei Spaziergängen im Wohnquartier die Lebensräume der Glühwürmchen zu suchen: Unscheinbare Orte am Wegrand, wo offene Kieswege, dichte Hecken und hohes Gras sich begegnen. Dort wo Schnecken gerne leben, die Nahrungsgrundlage der Glühwürmchen. Ich fand wenige. Meist sah ich geometrisch umrandete kahle Wiesen oder eigentümlich leere Schotterhalden, die sich beim sanftesten Sonnenschein sofort erhitzten. Ich fragte mich: Wo sind die offenen Kieswege, die bunten Wiesen, die vielfältigen Hecken, die alten Bäume und geheimnisvollen Waldsäume, die doch eigentlich die Natur ausmachen sollten?

Ich begann mir Sorgen zu machen um die Lebensräume unserer Insekten, die ich ja eigentlich gar nicht so kuschelig finde. Denn es ist mir klar, dass wir Menschen von der Arbeit der Insekten abhängig sind. Ohne ihr unsichtbares Wirken könnten wir nicht überleben. Insekten bestäuben unsere Grundnahrungsmittel, gleichen das ökologische System so aus, dass kein Schädling überhandnimmt, wandeln Schmutz und Unrat in frische Erde um und sind selbst Nahrung für Kleintiere, Vögel und diese wiederum für grössere Tiere.  

Plötzlich fielen mir die lauten Laubbläser auf, die diese Habitate gründlich freilegen, und die Fadenmäher, die die Lebensräume der Insekten in akkuraten Säuberungsaktionen wegrasieren. Warum sie so wichtig sein sollen, kann ich mir nicht erklären – ich finde sie laut und sie stinken (vgl. Matthias Plüss: Du Höllenrohr!). Der gute alte Reisigbesen meiner Grossmutter und der Laubrechen meiner Eltern sind mir da viel sympathischer (Link zum Kostenvergleich). Mit dem Wischen und Rechen tragen wir gleich auch etwas zur Gesundheit bei: Für unsere eigene körperliche Fitness ebenso wie für die Lebensräume der Insekten, Kleintiere und Vögel.

Der Reisigbesen meiner Grossmutter.

Ich wollte einen aktiven Beitrag leisten zur Förderung der Biodiversität, dort wo ich auch als Laie etwas tun kann. Also wollte ich das Mähen mit der Sägisse (so nennen wir sie im Züridütsch), der Sense kennenlernen. 

Über NimS kam ich zur Sensengruppe. Mit dem Erlernen der Sensenkunst konnte ich mich mehr und mehr mit der Welt der Insekten und ihrer Lebensräume vertraut machen. Zum Beispiel sah ich bei jedem Sensenzug, wie ein Heugümper über die Klinge sprang und sich retten konnte. Oder ich entdeckte eine Larve des grossen Leuchtkäfers beim Verspeisen einer Schnecke – ist das nicht grossartig?

Larve des Grossen Leuchtkäfers verspeist eine Nacktschnecke.

Text und Fotos: Regula Hug

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